Der Steinwald

Entstehung und Entwicklung

Die Nordoberpfalz ist ein Wassermangelgebiet. Vielerorts ist es nicht möglich, Wasser dort zu erschließen, wo es gebraucht wird.

Es war vor rund 50 Jahren (um 1960), als sich in den Steinwaldgemeinden Erbendorf, Grötschenreuth, Wetzldorf sowie Friedenfels und Fuchsmühl, hauptsächlich bedingt durch den beginnenden Fremdenverkehr, die Notwendigkeit abzeichnete, die Wasserversorgung nachhaltig zu verbessern. Weil im Steinwald selbst nicht genügend Wasservorräte vorhanden waren um jeder Gemeinde – wie es damals üblich war – den Bau einer eigenen Wasserversorgungsanlage zu ermöglichen, folgte man zunächst dem Gutachten eines Geologen, der überzeugt war, im Raum Erbendorf soviel Grundwasser erschließen zu können, dass damit das gesamte Steinwaldgebiet versorgt werden könnte.

Trotz einer 175m tiefen Bohrung wurde man nicht fündig. Geblieben aber ist aus dieser Zeit bis heute der Begriff, der damals für das Unternehmen geprägt worden ist – "Die Steinwaldgruppe".

Der Landkreis Neustadt a. d. Waldnaab ließ dann im Jahre 1962 am Fuße des Parksteins zwei neue Tiefbrunnen bohren. Dieses Gebiet war vom Bayer. Landesamt für Wasserwirtschaft als besonders Grundwasser-"höffig" bezeichnet worden und die ersten Pumpversuche bestätigten tatsächlich die Erwartungen.

Nach diesem positiven Ergebnis rechnete das Landesamt für Wasserwirtschaft damit, aus dem Erschließungsgebiet Oed, "dessen Wasserspende aus der halbmuldenförmigen Lagerung der aus Sand, Steinen und Tonen aufgebauten Trias im Vorland der Fränkischen Linie (Fichtelgebirgsrandspalte) stammt" (Auszug aus dem Gutachten des Landesamtes vom 13.8.1964) bis zu 200 Liter Wasser in der Sekunde gewinnen zu können. Es empfahl deshalb den Landkreisen Neustadt a. d. Waldnaab und Tirschenreuth gemeinsam eine Großraumversorgung aufzubauen die in der Lage sein sollte, alle Wasserversorgungsprobleme in großen Teilen der beiden Landkreise auf Jahrzehnte hinaus zu lösen.

Im August 1967 wurde dann in Neustadt a. d. Waldnaab der Zweckverband zur Wasserversorgung der Steinwaldgruppe gegründet, nachdem sich beide Kreistage vorher jeweils einstimmig dafür ausgesprochen hatten.

Beginnend mit dem ersten Spatenstich am 26.10.1968 wurde in den Jahren 1968 bis 1978 zunächst in Oed ein provisorisches Wasserwerk, später eine Aufbereitungsanlage mit einem Durchsatz von 150 l/s errichtet. Diese Aufbereitungsanlage war notwendig, da das Rohwasser zu sauer ist und außerdem Eisen und Mangan enthält. Gleichzeitig wurden die Rohrleitungsstrecken bis Parkstein, Pfaffenreuth/Pressath, Neustadt a. d. Waldnaab, Erbendorf, Friedenfels und Fuchsmühl sowie Pumpwerke und mehrere Hochbehälter, darunter der Zentralhochbehälter Püllersreuth erbaut. Weitere Leitungen wurden bis Frodersreuth, Pfaben und Floß verlegt. Bedingt durch anhaltende Versorgungswünsche und steigenden Bedarf der bis dahin angeschlossenen Abnehmer mussten bereits 1982 drei weitere Tiefbrunnen im Gewinnungsgebiet Oed abgeteuft und ans Netz angeschlossen werden. Daneben hat die Steinwaldgruppe Anfang der 80-er Jahre Leitungsteile der Neudorfer Gruppe übernommen und eine durchgehende Leitung von Wernberg (Landkreis Schwandorf) bis Etzenricht erstellt. Dazu musste ein eigener Tiefbrunnen im Gewinnungsgebiet Neudorfer Wald abgeteuft und ausgebaut werden. Zudem hat der Zweckverband das im Eigentum der Stadt Schnaittenbach stehende Wasserwerk Neuersdorf zu Betriebszwecken samt eines weiteren Tiefbrunnens übernommen. Grund dafür war die Ansiedlung eines Industriebetriebs in Weiherhammer, für den im Störfall größere Mengen Wasser zu liefern waren.

In den Jahren 1983 bis 1989 ging der Rohrleitungsbau weiter voran: bis Waldthurn mit der Möglichkeit auch Vohenstrauß und Leuchtenberg zu versorgen, bis Liebenstein mit der Versorgung von Plößberg und bis Seidlersreuth (Falkenberg) gingen die Leitungsäste, um auch in diesen Gegenden die Wasserversorgung dauerhaft zu sichern. Nachdem der lange aufgeschobene Anschluss von Konnersreuth, Leonberg, Mitterteich und Pechbrunn 1996 realisiert werden konnte, hat es sich als vorausschauend erwiesen, dass bereits 1990 zwei weitere Tiefbrunnen im Gewinnungsgebiet Oed abgeteuft und 1994 ans Netz angeschlossen werden konnten. Gleichzeitig wurde das neue Werkstatt- und Sozialgebäude beim Wasserwerk Oed eingeweiht.

Um den nachgewiesenen Bedarf auch weit nach der Jahrtausendwende noch decken zu können ist 1997 eine weitere Versuchsbohrung im Gebiet Schwand niedergebracht worden, die ein voller Erfolg war. Zwischenzeitlich konnte auch im Gewinnungsgebiet Neudorfer Wald ein weiterer Tiefbrunnen abgeteuft und angeschlossen werden. Dieser Tiefbrunnen ist seit 1995 in Betrieb. Um den Anschlusswünschen von Pirk, Schirmitz, Bechtsrieth und Irchenrieth sowie Leuchtenberg und Ortsteilen von Vohenstrauß nachkommen zu können und gleichzeitig die Versorgungssicherheit des Zweckverbandes mit der Verbindung der beiden Wasserwerke zu erhöhen, wurde 1998 mit dem Bau des sog. Süd-Ost-Verbundes begonnen. Im Jahr 2001 konnte das erste Teilstück, die Rohrleitungsstrecke von Waldthurn bis Schirmitz in Betrieb genommen werden. Gleichzeitig ist zu diesem Zeitpunkt auch das erweiterte Wasserwerk Oed (180 l/s) mit völlig umgestalteter Aufbereitungsanlage fertig gestellt worden.

Im Jahr 2004 ist das neu errichtete Wasserwerk Neuersdorf "neu" in Betrieb gegangen. Gleichzeitig wurde der Stadt Schnaittenbach das bis dahin überlassene Wasserwerk Neuersdorf "alt" zurück gegeben.

Nachdem der Ausbau des Versorgungsnetzes bis auf den Lückenschluss zwischen den Hochbehältern Schirmitz/Pirk und Etzenricht vorerst abgeschlossen erscheint, muss ein Hauptaugenmerk auf die dauernde Leistungsfähigkeit der Verbandsanlagen gelegt werden. So wurden das Pumpwerk Steinbach, der Hochbehälter Püllersreuth und die elektrischen Anlagen im Wasserwerk Oed generalsaniert. Dabei waren als Abschluss der Maßnahme im Jahr 2009 verschiedene Aussenbauwerke mit neuer Fernwirktechnik an die Zentrale in Oed angeschlossen.

Neben der Sanierung des Pumpwerks Zainhammer wurde die 1. Aufbereitungsstufe (Oxidatoren, Enteisenung, Entmanganung) im Hauptwasserwerk Oed generalsaniert. Dabei musste auch der Klärbehälter neu errichtet werden. Wegen des laufenden Betriebs konnte die Auswechslung der Filterkessel jeweils nur im Winterhalbjahr erfolgen. Die Entfernung von Eisen und Mangan, das im Grundwasser enthalten ist, erfolgt nun über Oxidatoren und Mehrschichtfilter. Der Einsatz dieser Technologie hilft Spülwasser zu sparen.

Weitere Aufgabe des Zweckverbands Steinwaldgruppe wird es sein, die Tiefbrunnen der ersten Generation grundlegend zu sanieren.